Leicht Positiv

Donnerstag.

Berlin.

Genau im richtigen Moment hat es mich doch noch erwischt. Bevor mein Doppel-Impfstatus ausgelaufen wäre und ich mich hätte boostern lassen “müssen”. 

Und ich will nicht jammern, aber es ist tatsächlich kein Spaziergang. Aber das ist es mir wert. Zwei, drei, vier Wochen Bettruhe tausche ich im Anschluss gern gegen etwas Reisefreiheit und problemlosen Einkauf bei einem C&A meiner Wahl ein. 

“Leicht positiv” steht im PCR Test, dessen Ergebnis mir schon 4 Tage danach, also nach dem Test vorliegt. 

“Leicht positiv”. Wie deprimierend und darin ist mal wieder das ganze Elend meiner Existenz enthalten. Das ganze Elend, aber auch das ganze unfassbare Glück.

Mir gehts schlecht, dachte ich. Ich leide, dachte ich. Keiner leidet so wie ich, dachte ich. Es ist absolut hardcore, dieses Covid, das ist nicht mehr lustig, wahrscheinlich ist das schon Long Covid, wahrscheinlich hatte ich das schon immer und das hört bestimmt nie wieder auf, dachte ich.

Und wenn das nicht aufhört, was mache ich dann? Wars das jetzt endgültig mit meinem Leben? Liege ich ab jetzt nur noch rum, mit diffusen Symptomen und steh nie wieder auf?

Wegen:

Mal zu kalt, mal zu heiß, mal Herz zu schnell, mal Herzschlag zu langsam, mal zu schlappi, mal zu depri, mal anxiety, mal einfach nur urgemütlich und entspannt, mal zu horny, mal zu desperate, mal nullbockaufgarnix, mal Gliederschmerzen, mal Rücken, mal BauchBeinePo, mal einfach nur sehr sehr müde, mal beinahe fit, aber nur noch fünf ganz kleine Minuten liegenbleiben, mal schlecht geträumt, mal unvorhergesehene Lähmungserscheinungen im Motivationszentrum, oder auch einfach alles zusammen…

Oh oh oh oh oh…

Ich bin am Ende, jetzt aber wirklich.

Gleich nochmal einloggen. Gleich nochmal versuchen, ob sie den PCR jetzt analysiert gekriegt haben und ich endlich weiß, wie hart das Covid mich erledigt hat…

Diesmal klappts. Nachdem ich meine Auftragsnummer und mein Geburtsdatum ins Formular gehäckselt habe, kommt diesmal nicht: „Dokument kann nicht geladen werden, ist in Bearbeitung, versuchen Sies in einer Stunde nochmal.“

Sondern, es ist da, das Dokument, das Testergebnis, ich kanns downloaden und da steht es geschrieben.

Das PCR Ergebnis. Also kurz, das PCRgebnis. Was für ein Affront:

„Leicht positiv“

Das ist alles…. Ja klar.

Mir gehts prima. Ich habe im Grunde nichts. Ich bin gesund, mir ist warm, weich und wohlig. Ich bin schön, ich bin reich, ich bin beliebt, ich bin gesund. Ich und meine Familie und Freunde und alle, die mir lieb und teuer sind und sogar die, die es mir nicht sind.

Alles ist top. Alles ist „leicht positiv“.

Das habe ich vorher auch schon gewusst.

Für die Info hätte mir der Weißling montagfrüh keinen Schleim aus dem Rachen zu kratzen brauchen.

Den PCR hätte ich mir komplett sparen können.

„Leicht Positiv“.

Alles wie gehabt. Alles ist ok, nur ich muss mal wieder so ein Fass aufmachen. (Wie immer, wenn alles ok ist…)

Einfach nur wegen meines schwachmatischen Jammerlappentums. Bin ich mal wieder unter falscher Prämisse tagelang im Bett liegen geblieben. Habe ich mal wieder einen billligen Vorwand gefunden, um mich zu drücken, um mich vom Dienst zu befreien.

„Leicht positiv“….

Außerdem ist das ein ganz normales Ergebnis, nichts Besonderes, stellt sich beim Googeln heraus. Alle PCRler kriegen das und es sagt gar nichts aus. Also ob man die Krankheit nun hat oder nicht. Mit „PCR“ kann man Covid auch in Marswasser nachweisen, lese ich. Mit PCR kann man alles in allem nachweisen, wegen der Kettenreaktion.

Ob ich „wirklich“ krank bin, steht also immer noch nicht fest.

PCR Tests seien nicht standardisiert, lese ich bei BR24. de. Trotzdem seien die Marswasserbehauptungen falsch. Man kann Covid ziemlich sicher sogar vielleicht mit PCR nachweisen, aber es hängt halt davon ab.

Vom Wann, Wem, und Wieviel und der korrekten Durchführung, sowie Auswertung…

Apropos… an der Test- Kabinenwand hing übrigens ein laminiertes Blatt, darauf war zu lesen, man solle vor dem PCR keinen Alkohol konsumiert haben und ich fragte mich, ob der 70prozentige Selbstgebrannte, den mir Großmeister Y zum Geburtstag verehrt hatte und den ich mir zum Frühstück in meinen frischgepressten O- Saft gemixt hatte, weil YOLO, mir gehts eh schon brachial unterirdisch, also was solls, auch als Alkohol zählen würde?

Aber nun war es zu spät und warum hatten sie das nicht früher gesagt und darum dachte ich:

Ab 70 Prozent ist es Medizin und kein Alkohol und ich merke sowieso gar nichts davon, es waren ja auch nicht mehr als ein Fingerhut voll, also als fünf oder sechs randvoll gefüllte Fingerhüte…

…von denen ich, wie gesagt, gar nichts merkte, außer dass meine Sehkraft schwand…Also, dass das Bild für ein paar Stunden am Flackern war. Flackerte das Bild MIT dem Selbstgebrannten oder WEGEN des Selbstgebrannten?

Ich bin, nach dem der erste Schock überwunden ist, trotzdem zufrieden.

„Leicht Positiv“ ist besser als „schwer negativ“.

Das hätte ja auch passieren können. Ein „falsch- positiver“ Antigentest und daraufhin ein falsch- negativer PCR- Test.

Aber ich mal wieder, Riesenglück gehabt:

„Leicht positiv“

Klingt nach kompletter Verkennung meiner Persönlichkeitsmerkmale, oder aber auch nach deren genauer Erfassung. 

“Leicht positiv”

klingt wie das, was jedes Jahr in meinen Grundschulzeugnissen stand:

“Ruth ist eine ruhige und freundliche Schülerin.” 

Yeah. Ganz genau. So bin ich. 

Ruhig, freundlich und leicht positiv.

Gar nicht so schlecht eigentlich. 

Also total schlecht, denn ich bin absolut am Ende aller Enden:

“Leicht positiv”

und therapiere mich selbst mit Paracetamol und Cetirizin, alle sechs Stunden.

Das Paracetamol hilft gegen alles und das Cetirizin als Medizin gegen eventuelle schwere Coronaverläufe ist meine Erfindung. 

Weil ich mal im März 2020 im Tagesspiegel gelesen habe, die schweren Verläufe kämen wegen einer Überreaktion des Immunsystemes auf das Virus, nicht vom Virus selbst.

Also wegen “Hyperinflammation” aufgrund viraler Belastung. 

Und ein überreagierendes Immunsystem reagiert sozusagen allergisch m.E. und Cetirizin ist ein Antiallergikum und deswegen… 

Es klappt. Die Therapie schlägt an. Täglich geht es mir besser, also weniger schlecht.

Also, ich habe wohl das, was man als einen „milden Verlauf“ bezeichnen könnte:

Vorher gings mir schlecht, dann gings mir schlechter als vorher, jetzt gehts mir aber schon etwas weniger schlecht und ich hoffe sehr, dass es mir bald wieder so schlecht wie vorher geht.

Nach dem PCR Test Montag- Vormittag, träume ich von kleinen weißen Quadraten. Die haben so etwas Cleanes und Frisches an sich.

Wie nagelneue weiße Reeboks und das liegt an meinem Unterbewusstsein, denn es kratzt schlimm im Rachen wegen des PCR Tests und wenn ich schlafe, schmerzt der Rachen ja weiter und sendet Traumbilder. 

Weil ich den Schmerz mit “Weiß” assoziiere, wegen des Männchens im weißen Schutzanzug, welches mir den Schleim aus dem Rachen kratzte, mit dem weißen Teststäbchen, in der Kabine mit den weißen Wänden, in der ich saß, auf dem weißen Klappstuhl…

…in der einen Hand meine Maske zerknüllend, vor Teststabskratzerschmerz …

die andere Hand krallte sich in meinen Nacken, die Fingernägel zerfetzten ihn… röchelnd fügte ich mir tiefe Kratzer zu, ohne es zu bemerken…

…während der Unhold das Stäbchen tiefer und immer tiefer hinter meinen Gaumen schob…

…und ich gegen den Kotzreiz ankämpfte… und so weiter…

… und dabei dachte:

Immer noch besser als die Nase, juhu…

….aber trotzdem, WIE schlimm ist denn bitte dieses Gefühl…GANZ GANZ schlimm… Es ist SCHLIMMschlimmschlimmschlimmchchchrchrchrrrrrr…

Was mir lieber wäre? fragte ich mich, als ich endlich zu wieder zu Hause war…

Nochmal so extremst schlimmer Liebeskummer oder nochmal so ein PCR Test.

LIEBESKUMMER! Ich will Liebeskummer!!!!

antwortete ich mir sofort.

Oh Gott, NEIN, lieber PCR!

widersprach ich mir rasch.

NEIN, bitte nie wieder nichts von beiden!

Sowieso, nie wieder Schmerz, wenns geht,

antwortete eine dritte Stimme in mir, wo kam DIE denn plötzlich her?

AAAAAAHHHHH….

Schmerz ist so entwürdigend.

Egal ob innerlich oder äußerlich empfunden oder zugefügt oder beides.

Außerdem, der PCR- Testschmerz ist auch eine Art Liebeskummer, weil es ja mehr ein innerlicher Schmerz ist…

Man sieht man den Leuten von außen nicht an, ob sie gerade PCR- getestet wurden, oder gebrochene Herzen haben… oder Beides…. aber es tut ihnen trotzdem weh… so weh…

Ja… Halsweh ist wie Herzweh… dachte ich und umschlang mein Lieblingskissen und küsste es und mein Lieblingskissen belog mich und besorgte es mir lange und hart und verließ mich dann auf Nimmerwiedersehen bis zum nächsten Mal…

… und ich driftete für ein paar Tage ab ins Reich der Träume…

…während mein Schleim in ein Charlottenburger SchleimLabor geschickt wurde, wo er lange und hart mit chinesischen Tests auf ein chinesisches Virus geprüft wurde… 

…PCR aus PRC…

und sie da, weit weg von mir, Kettenreaktionen in meinem Schleim in Gang setzten und abwarteten und wer weiß, was noch alles…

…und dann zu diesem mehr als erbärmlichen Ergebnis kamen…

„Leicht Positiv“

Warum?

Erlitt ICH eigentlich überhaupt den Infekt?

TROTZ oder MIT der Impfe? 

Und DAS soll ein milder Verlauf sein? fragte ich mich und wälzte mich stöhnend auf die andere Seite. 

Denn für eine Reihe von Tagen war ich zu mehr nicht in der Lage… 

…als ab und zu die Bettdecke umzudrehen, auf die kühle Seite…

Mir mit zittrigen Händen eine Mandarine zu pellen. Einen Schluck O- Saft zu trinken… 

…sauberen O- Saft.

Sowohl ohne Fruchtfleisch, als auch ohne Zusatz von Selbstgebranntem.

Zu meinem Kummer ohne Fruchtfleisch.

Aber bei Lidl nehmen sie jetzt Pfand auf Saftplastikflaschen. Und die ohne Fruchtfleisch waren die letzten, die man noch OHNE Pfand kriegen konnte.

MANN!!!!!

Diese Bastarde.

Als ob wir SONST keine Probleme hätten.

Vorletztes Jahr wars die Bonpflicht. Oder Dieselautos in der Innenstadt? Wie ich sie alle hasse, diese Politikpersonen.

Weil sie meinen Alltag killen.

Den es nicht gibt.

Dieses Jahr also Pfand auf alles.

Und nur der O- Saft ohne Fruchtfleisch war noch in pfandfreien Flaschen zu haben.

Damals.

Zu Silvester, in meinen letzten gesunden Stunden, als ich zusammen mit Eric Blanc zu Lidl ging, um Champagner zu kaufen.

Ich habe auch Essen bei “Flink” bestellt, an dem Tag.

Um Eric zu zeigen, wie weit wir hier in Deutschland schon sind.

Lebensmittel Lieferservices per App gibts in Paris nicht, meinte er.

Und staunte.  

Als es schon 15 Minuten später an der Tür klingelte.

Und fragte dann, ob es das auch für Menschen gäbe?

Das wärs!

Du tippst in die App, welchen Menschen du gerne schleunigst in deiner Wohnung haben willst und schon 15 Minuten später wird er geliefert!

Wir tranken “Comte de Brismand” (dieses Jahr noch aus der pfandfreien Glasflasche) und stellten uns vor, wie so “Flink- Rider” oder “Gorillaz- Gorillas” oder “Uber- Menschen” in Wohnungen eindringen, wie S.W.A.T.- Teams…

(“S.W.A.T. steht für Special Weapons and Tactics, die Einheit verfügt dementsprechend über spezielle Bewaffnung und hochentwickeltes elektronisches Equipment, und setzt häufig auch Sprengstoff ein, etwa um Türen zu öffnen.”)

… und da dann Leute entführen, weil die per App bestellt wurden…

Man muss in der App nur den Namen des ersehnten Menschen eingeben, nicht dessen Aufenthaltsort…

Das macht alles die App…

Blitzschnell finden die jede gewünschte Person ab 18 und bringen sie Dir SUBITO…

Abgerechnet wird danach per Paypal…

Und dann:

Gerade hat man sich noch selbst seinen Liebling kommen lassen und noch bevor man ihn aus der braunen Papiertüte holen und ihm die Fesseln abnehmen und den Knebel aus dem Mund holen kann und ihn ganz sanft ein bisschen zu BERUHIGEN…,

…und sich an seiner Gegenwart zu erfreuen…

…schwingt sich jemand mit Karacho von außen durch die Fenststerscheibe und man wird selbst gepackt, verschnürt und woandershin teleportiert…

Wie in dem Andersen- Märchen: “Das blaue Licht”, übrigens… 

Da lässt der Soldat die Prinzessin nachts aus ihrem Schlafzimmer entführen und zu sich in die Dachkammer bringen, wo sie ihm die Stiefel putzen muss… 

Ganz geil eigentlich, finde ich…

DAS BLAUE LICHT….

Guter Name.

So könnte man die Menschen- Liefer- App eigentlich nennen. 

Ja, Dichter sind Propheten.

“Das blaue Licht”

… das sagt doch ALLES über unsere Zeit, im Grunde…

Aber das ist lange her.

Das Lachen ist mir mittlerweile vergangen.

Covid ist Mist.

Es stimmt tatsächlich.

Kein Faktenfuchs kann es mehr hinwegbeweisen.

Ich hatte da manchmal so meine Zweifel, ehrlich gesagt…

Aber:

Covid gibts wirklich. Die Lügengrippe existiert. Die Lügengrippe LEBT. 

Eric Blanc hatte es auch, aber Omikron, meint er, weil der Geruchssinn war ja nicht weg.

Klar, ER hatte wieder das Virus in modernster Version bekommen.

In seiner höchsten Mutationsstufe.

Omikron ist ja dermaßen harmlos, die Verläufe dermaßen milde, sagt Eric, dass ein Ende aller Maßnahmen, Verkürzung sämtlicher Quarantänen, sowie der Anbeginn der allgemeinen endgültigen Freiheit aller,

sowie die Befreiung der Welt von Gesundheitsschutzdatenüberwachung und Kontrolle, nur noch eine Sache von Wochen sei…

Wer hätte DAS gedacht?

Er.

ERIC der Coronaking, Eric der Geboosterte, Eric der Genesene Geboosterte, schwingt plötzlich Reden wie ein Querdenker.

Verharmlost aufs Unverantwortlichste, die bevorstehende Omikron- Wand und das in vollkommener Ignoranz,

des Faktes, dass ICH, seine geliebte Exfrau, sogar noch an astreinem Delta leide.

Und zwar wahrscheinlich genau deswegen, war ja klar…

Die 14 Tage Kontaktpersonen- Quarantäne für Spongebob und Patrick hält er für „übertrieben“.

Langsam „reicht es“, meint er und es würde Zeit, dass „DIE“ aufhören, zu „spinnen“.

Aber ich diskutiere nicht.

Dazu fehlt mir das viralistische Faktenfuchswissen und die Fähigkeit zur statistischen Kurveninterpretation und auch sonst jegliches Interesse.

Ich bin happy, denn er ist da und kümmert sich, denn ich bin krank und kann nicht.

Er ist der Omikron King und ich bin die Delta- Queen.

Denn ich rieche nichts mehr.

Taste negativ, Test positiv, sozusagen.

Omikron ist die höchste Entwicklungsstufe des Virus, sozusagen der Homo Sapiens von Covid 19, also der Mensch der Affen.

Wohingegen Delta beispielsweise der Neandertaler ist.

Ich führe aber ein Deltagebuch, keine Omichronik und zahle mit EURO, nicht mit Neandertalern und wenn man weint,

wenn man in sich Quarantäne befindet, weint man dann Quarantränen und ich weine übrigens gar nicht.

Endlich weine ich nicht mehr.

Wie auch immer. Genug gelacht. 

Wenn ich mit der Nase ganz nah rangehe, kann ich sogar ganz kurz den Nagellackentferner auf dem Wattepad riechen.

Das Leben ist schön. 

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: