Falsches Bild

Samstag.

Berlin.

Abstand halten wegen schlechtem Wetter. Impfung gegen Paketbote klingelt nicht. Maske gegen Liebeskummer. 

Alles Quatsch.

Ist vielleicht auch die falsche Vorstellung, man könne irgendwas “verarbeiten”. 

Also Erlebnisse beiseite legen, wie einen Stapel unterschriebene Akten.

Ich kann wegen Sachen, die mir vor zehn Jahren passiert sind, noch genauso sauer und verletzt sein, als wäre es mir gestern, wenn nicht sogar HEUTE zugestoßen. 

Sogar wegen Sachen, die mir vor 30 Jahren passiert sind. Oder vor 40 Jahren. Das ist alles reine Gegenwart, im Fall der Fälle und zwar so sehr, dass ich mich manchmal frage, ob ich überhaupt eine Vergangenheit besitze. Ob es so etwas wie Vergangenheit überhaupt gibt, oder ob das, was wir dafür halten, nicht einfach nur eine immer breiter werdende Gegenwart ist. 

Wie ein Fluss auf dem Weg Richtung Meer, der immer breiter und zugleich aber auch immer flacher wird. Der womöglich sogar auf den letzten Metern ein Delta bildet. Also sich in lauter bedeutungslose schwache Ärmchen aufteilt und dazwischen einfach nur noch Sumpf mit Mücken. 

So, dass aus der frischen munter sprudelnden Vergangenheit eine nervige, sumpfige stickige Dauer- Gegenwart geworden ist. Zum Aufenthalt im Grunde nur noch für ein paar vom Aussterben bedrohte Reptiliensorten brauchbar und eine besonders aggressive und robuste Stechmückengattung. 

Aber genau da steckt man dann im Schlamm fest und es ist schwül und diesig und die Mücken beißen und es juckt am ganzen Körper, weil man sich so sehr über alles gleichzeitig ärgert. Über Sachen von ganz früher, von früher, von gestern und von heute und von genau jetzt. Man soll LOSLASSEN, habe ich mal irgendwo gelesen, aber wie soll man etwas loslassen, wenn man bis zur Hüfte drin feststeckt und wie soll man etwas loslassen, wenn man noch gar nichts Neues zum Festhalten hat. 

Ich sag ja nur, ich mein ja nur. Sind sowieso nur rhetorische Fragen, die sich aus der Metapher heraus ergeben haben, welche sich wiederum aus dem Wunsch heraus ergab, einen Gedankengang deutlicher zu erklären. Habe einfach irgendwo angefangen und bin dann irgendwohin gekommen, mehr ist es nicht. Und hier bleibe ich erstmal stecken, um im Bild zu bleiben.

Und mache woanders weiter. Mal sehen, wo das dann wieder hinführt. 

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