Die aktuelle Situation

Freitag.

Berlin.

Expertengruppe veröffentlicht Studie, laut der es zu wenig Daten gibt, um eine klare Aussage zu treffen.

Angesichts dieser Tatsachen wird einmal mehr deutlich:

Jeder Einzelne muss seinen Beitrag leisten, um die Pandemie zu überwinden.

Sogar ich. 

Ich? Wie ist das möglich? 

ICH???

Seht mich doch an (Nein, lasst es lieber): 

Ich bin ein Nichts, ein Schwächling, eine Flasche, ein erbärmliches Stück Müll. 

Habe mich knapp drei Jahre von einem Kerl demütigen lassen und erlag direkt danach dem nächsten Schuft und das reichte mir nicht, weswegen ich mich tatsächlich noch einem Scheusal zu Füßen warf. 

Wie peinlich.

Ich bin doch keine 14 mehr.

Und wofür habe ich mich gehalten und was habe ich mir eingebildet und wie saudumm und verblendet war ich again and again and again. 

Wollte das Offensichtliche und auch nie Verheimlichte, nicht wahrhaben. Und außerdem. Wie habe ich mir das überhaupt vorgestellt? 

Obwohl doch fairerweise keine Gelegenheit ausgelassen wurde, es mir klar zu machen, nämlich, dass ich auf nichts weiter zu hoffen hätte und ein plötzlicher Abgang höchstwahrscheinlich sei. 

Deswegen wurde ich zu Recht genauso behandelt und benutzt, wie ich es verdient habe und fand das auch noch geil und habe geradezu darum gebettelt, weswegen recht ausführlich bei Bedarf, auf mich zurückgegriffen wurde,

was mich Schwachkopf auch noch freute, wenn ich auch ahnte, dass eine andere Richtung als abwärts in diesen Fällen nicht existierte.

Malte ich mir doch so Manches aus.

Obwohl ich die Lage so unfassbar krass verkannte oder eigentlich ganz genau wusste, was los war, hatte ich eben meine Gründe und konnte auch nicht anders und war zu faul und zu triebgesteuert und zu schwach, um mir ein weniger nerviges Hobby zu suchen.

Und, anstatt wenigstens die Fresse zu halten und heimlich zu stöhnen und frönen und meine perverse Gier danach, jemandes Marionette zu sein, zu verstecken und zu hoffen, dass niemand was von meiner Schande mitbekommt…

(… obwohl ich die meiste Zeit tatsächlich genau das tue…also mich still vor allen zu verstecken)

Und, anstatt mal in echt und nicht nur in metaphorisch, meine dreckige Wäsche zu waschen und meinen Kram geregelt zu kriegen…

…zerre ich gestörte Kuh, mein Privatleben in die Öffentlichkeit, 

schreibe ich es auf…

Um was draus zu lernen. Damit mir sowas nicht nochmal passiert. 

Falls eventuell jemand anders schlecht dabei wegkommen sollte, macht das nichts. 

Man zeigt mit einem Finger auf jemand anderen und vier Finger zeigen zurück.

Das ist ja das Schöne, dass immer nur ICH mich blamiere, wenn ich aufschreibe, was passiert ist, um zu kapieren, was passiert ist. 

Obwohl das gar nicht möglich ist.

Ich kann das ja nicht alles aufschreiben. Sondern ich schreibe alles Mögliche hin und lasse dafür aber auch alles Mögliche weg. 

Denn.

Schreiben heißt übertreiben. 

Damit muss ich leben und ich tue es auch.

Und nicht nur damit. Auch mit der Bürde, mich fortgesetzt idiotisch verhalten zu haben. Aber:

Ich habe bekommen, was ich verdiene, nämlich ordentlich aufs Dach und genau das scheine ich ja gewollt zu haben.

Und wollen heißt wollen müssen und darum musste es wohl so sein und ging es nicht anders.

Aber ich akzeptiere mittlerweile.

Ich tue jetzt nicht mehr schnippisch und richte auch keine Krönchen und dergleichen, sondern ich bleibe einfach liegen und versuche auch nicht mehr, dabei irgendeine sowieso nie vorhanden gewesene Würde zu bewahren, geschweige denn wiederherzustellen. 

Bin Weichei, Schwächling, Schlappschwanz, Megafail, Marionette ohne Männchen und finde es manchmal ganz schön, dass gerade keiner mit mir spielen will. 

Wenn ich es nicht zutiefst bedaure und schluchzend eines meiner Kopfkissen umarme.

Ich habe mich damit abgefunden, dass ich aus nichts als Schwächen bestehe, denen ich nichts mehr entgegensetzen will, kann oder muss, um vor irgendwem gut dazustehen.

(Was sowieso nichts bringt und nicht klappt.) 

Wenn ich rauchen will, rauche ich, soviel ich will. 

Wenn ich trinken will, trinke ich, soviel ich will. 

Wenn ich essen will, esse ich soviel ich will. 

Wenn ich schlafen will, schlafe ich soviel ich will. 

Wenn ich Youtubevideos sehen will, sehe ich soviel ich will:  

Showing a Scammer His Own Webcam On My Computer,

New York Rich and Poor, 

Discover Your True Self, 

I Spent My Life Savings On An Abandoned Ghost Town, 

Throwing a Party in the Most Boring Town in America, 

Aquarell für Einsteiger, 

Stubborn Homeowners Who Refused To Move, 

Elon Musk opens up about Aliens,

Why We Love Eminem, 

Dubai Is A Parody Of The 21st Century, 

Most Useless Megaprojects in the World

The Biggest Apartment Building in Europe

… und wenn ich wachliegen will und mich detailliert an mein Sexualleben mit dem Bösen zurückerinnern will, tue ich auch das und erniedrige mich dann in Gedanken so lange, bis es mir kommt und wenn ich das veröffentlichen will, dann gebe ich mir diese Blöße eben auch noch und wenn ich mich für alles was ich bin und tue, hassen will, dann hasse ich mich eben rückhaltlos.

Und das Programm ziehe ich so lange durch und booster mich so oft wie nötig und frage nicht nach Nebenwirkungen, bis ich mein Ziel erreicht habe: 

Mich selbst bedingungslos zu lieben und zu akzeptieren, egal was ich mache und wie sehr ich mich gehen lasse und wie schlimm ich es treibe und wie wenig ich mich zusammenreiße und wie krass ich mich blamiere und wie minimal ich mich anstrenge.

Und das ist meine aktuelle Situation und meine Art, gesund zu bleiben. 

Denn jeder Einzelne muss seinen Beitrag leisten. Die Pandemie können wir nur gemeinsam bewältigen. 

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