Aussen Tag/ Innen Nacht

Mittwoch.

Berlin.

Ich wette, ich habe den schon mal irgendwo gesehen, also der ist gar nicht fremd, aber selbst wenn nicht, ist das auch egal. Darum gehts gar nicht. Es geht einfach nur darum, mal wieder irgendwo herumzustehen und von Fremden angesprochen zu werden, nach dieser langen Zeit, als wir mit niemandem reden durften und von Impfungen und Tests nur träumen konnten. 

Er sagt irgendwas, also einen Satz, der an irgendwas anknüpft, etwas was ich gerade gemacht habe, oder bezüglich meiner Schuhe, meiner Hose, meines T- Shirts, whatever. Er macht mir ein niedrigschwelliges Kommunikations- Angebot und ab da sind wir am reden. 

Also wir texten uns gegenseitig voll, bzw. er textet mich voll. 

Ich sage nur ab und zu etwas, zum Beispiel, dass mein Englisch immer noch nicht so gut ist, obwohl ich in Berlin geboren und aufgewachsen bin, oder dass ich den Bitcoin Kurs derzeit lieber nicht mehr checke und dass alle meine Exmänner ausnahmslos ganz wunderbare Menschen oder auch komplett gestörte Psychos sind, mit denen ich nach wie vor in engem Kontakt stehe, bzw. sie mit mir.

Es geht nur darum, zwischendurch irgendwas zu antworten, um seine Textmaschine am Laufen zu halten, damit ich den Moment weiter genießen kann, mit einem Drink in der Hand in der Öffentlichkeit herumzustehen und vollgetextet zu werden, von so einem Mitte- Typen im gestreiften T- Shirt und auf Englisch und mit seinem schweigsamen Kumpel daneben. 

Zwar stehen wir nur nachmittags draußen und nicht nachts drinnen, aber das macht keinen Unterschied, denn ich trinke Prosecco und die auch und darum ist das Außen/ Tag, wie Innen/Nacht. 

Sein Kumpel steht daneben und sagt auch manchmal was und ich denke, lustig, die beiden sind wie so Mädchen manchmal, wie so Freundinnenpaare im Nachtleben, da gibt es ja auch oft “die Hübsche” und “die Hässliche”. 

Bei der einen Ex von einem meiner Exe, war das der Fall, also sie war ganz klar “die Hübsche” und alle ihre Freundinnen vergleichsweise unterer Durchschnitt. 

Ich habe mich damals meinem Ex  gegenüber oft darüber lustig gemacht und die Sachlage war so offensichtlich, dass er mir zwar zustimmen musste, aber er verteidigte seine Ex trotzdem standhaft gegen meine miesen Unterstellungen. 

Denn ich glaubte, dass sie wohl glaubte, so hässliche Freundinnen nötig zu haben, um selbst umso mehr strahlen zu können und mein Ex meinte aber, nein, so wäre sie ganz bestimmt nicht, sondern sie sei einfach weniger oberflächlich als ich und würde ihre Freundinnen nicht nach Attraktivitätsgrad, sondern nach inneren Vorzügen auswählen. 

Woraufhin ich, ihm zufolge, meine Oberflächlichkeit dadurch bewies, dass ich sagte, dass innere Schönheit häufig aber auch äußere Schönheit sei, außer bei seiner Ex natürlich, die trotz ihrer Schönheit frustriert und meistens schlecht gelaunt war und zur Vulgarität neigte, weswegen ich sie “die Hexe” nannte und die deswegen wohl ganz gut zu ihren Freundinnen passte, da ihr innerer Schönheitsgrad, deren äußerem Schönheitsgrad entsprach. 

Ich bin anders. Meine Freundinnen sind alle hübsch und ich habe es auch schon mit weniger attraktiven Frauen probiert, aber das hat nie funktioniert. Weil ich Leute, die ich nicht so richtig gern ansehe, auch nicht so richtig gut finden kann. 

Es ist leider so, was kann ich denn dafür. Darum bin ich froh, dass meine hübschen Freundinnen und Freunde mich in ihren Reihen akzeptieren.

Wie auch immer, der Hübschere von den beiden Textatoren war nicht wirklich hübsch, sondern nur vergleichsweise und der Hässliche auch nicht wirklich hässlich, sondern er strahlte eben etwas weniger und ging dann auch bald und dann kam meine hübsche Freundin und wir haben den übriggebliebenen Textator nur noch höflichkeitshalber in unser Gespräch mit einbezogen und dann kamen andere Frauen und er hat mit denen weitergeredet und dann kam die Polizei wegen der Musik und dann kam der Heimweg und der Schlaf und die Träume. 

Extrem seriöse Träume: 

Und zwar, dass ich in Fußballvereine investiert habe u.a. den FSV Bernau und Werder Bremen. 

Außerdem beteiligte ich mich finanziell an dem Projekt eines 5 Sterne Hotelneubaus an der Ostseeküste und nahm in der Lüneburger Heide professionellen Reitunterricht, mit dem Ziel mit meiner Stute “Alessia” an Springreitturnieren teilnehmen zu können.

Im Anschluss nahm ich die Gelegenheit zur Besichtigung einer Werft mit anschließendem geselligen Beisammensein wahr. 

Dort hatte ich einen interessanten Austausch mit Helmut Schmidt, bei dem wir respektvoll unseren wenigen, aber eindrucksvollen Begegnungen mit Hannelore Kohl gedachten. 

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