Akzeptanz Teil Drei

Liebe Gemeinde,

nicht wir testen uns auf Corona, sondern Corona testet uns auf uns….

Es ist ja nicht immer alles schön, was da zum Vorschein kommt. Ein bestimmter Menschentypus ist mir jetzt schon mehrfach, an komplett verschiedenen Orten begegnet. 

Nämlich: In dem sehr guten Portugiesen mit den leckeren Tapas und dem mega- nicen Hauswein, bei C&A, noch irgendwo und im Traditions- Café. 

Es war nie dieselbe Frau, aber immer derselbe Typ Frau. Zwischen 20 und 30 vermutlich, harter Blick, straffer Zopf, blütenweiße Maske. In meiner Erinnerung merkwürdigerweise mit einer Art Uniform bekleidet. Wahrscheinlich wegen des gestrengen Habitus. Brauner Rock, züchtig bis übers Knie, eine weiße gestärkte Schürze drüber und obenrum so eine Art kastenförmiger Merkel- Blazer. 

Aber das kann nicht sein, das kann nicht sein, das bilde ich mir ein, aber genau so ist es. 

Jedenfalls diese Frau, diese Sorte, erscheint plötzlich überall und kontrolliert den Impfstatus, zwecks Zugangsberechtigung.

Kein lockerer Spruch entfrostet ihre Miene. Minutenlang scannt sie mit Laserblick die Dokumente. Vergleicht QR- Code mit Passfoto. Liest sich meinen Namen durch. Spricht mich damit an.

Vielleicht weil ich den QR Code nicht im Handy habe? Ich möchte das irgendwie nicht und vielleicht ist ja mal der Akku leer, oder ich habe es nicht dabei. Aber darum gehts jetzt nicht.

Hey Lady, ich bin vollgeimpft und will jetzt Socken kaufen oder Gambas essen. Kein Grund, so streng zu tun. 

Ich bin nicht nur vollkommen, sondern sogar vollkommen harmlos. Ich meine, wer wäre denn mehr Mitte der Gesellschaft als ICH? 

Mittelalte, mittelhübsche, in Mitte lebende Mutter, mit lebender in Mitte lebender Mutter, über mittelviele Mittel verfügend und nur mittwochs auf Mittelchen und nur mittags wach und nie mitternachts, das Mittelmeer und ihre Mitmenschen (zu sehr liebend), den Mittelweg bevorzugend, und außerordentlich mitteilungsbedürftig…

Ich bin die Mitte, ich bin die Mutter der Mitte…

Ich bin wie der kleinste Bär im Märchen Goldilock. Nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu hart, nicht zu weich, nicht zu heiß, nicht zu kalt, sondern GANZ GENAU RICHTIG. 

Stolz reiche ich der gestrengen Lady meine Impfnachweise, gewissermaßen mit erhobenen Händen. Ich kann nicht dagegen an, meine Untergebenheit und absolutes Einverstandensein mit gängigem 2G, 3G, 4G, 5G zu demonstrieren…

So wie die uniformierte junge Frau, die sich heldenhaft an vorderster Front und mit vorbildlichster verbissenster Gewissenhaftigkeit in den Kampf gegen ein potentielles Eindringen ungeimpfter Dokumentenfälscher in die verbotenen Zonen stellt. 

Und dadurch Menschenleben rettet. Kein Scherz kann sie korrumpieren, kein Lächeln ihre von der Maske verborgenen, unsichtbaren Lippen spreizen.

Minutenlang vergleicht sie mein Passbild mit dem sichtbaren Teil meines Antlitzes. 

“Alles ok…” sage ich stolz, versuche mich anzubiedern, oder will einfach den menschlichen, den mitmenschlichen Faktor ins Spiel bringen. Toll machst du das, du beflissene Heldin des Alltags, was wären wir ohne dich. Danke, dass ich drinnen Kaffee trinken darf, danke, dass ich Socken kaufen darf, bzw. hast du widerliche Gewitterziege einen Dachschaden? Wofür hältst du dich? 

Ja, meine Freunde und ich, möchten es sich gut gehen lassen und später NOCH eine Karaffe Hauswein, obwohl es Mittwochabend um halb Elf ist. 

Wir sind doppelt geimpfte so gut wie geboosterte Hedonisten und haben trotzdem niemandem was getan!

Und selbst wenn ich wegen Borderline oder Hangover eine delinquente Ausstrahlung haben sollte, ein ungewolltes Odeur von gefälschtem Impfpass, oder sonstiger Illegalität versprühen sollte…was ich bezweifle…

… bin ich in der Öffentlichkeit und überhaupt, stets in außerordentlich seriöser Begleitung anzutreffen. 

Also, ja, behandelt mich gerne wie den generalverdächtigsten Staatsfeind Nummer Eins, aber ich befinde mich normalerweise in Gesellschaft von angehenden Doktoren, hochdekorierten, im Staatsdienst tätigen Tierärzten, Hochschuldozentinnen, Ausnahme- Schauspielerinnen, deutschlandweit bekannten Komponisten, mit Preisen überhäuften Dichterinnen, mit Inhaberinnen von Werbefilm- Produktionsfirmen, mit Fotografen und *innen, mit Diplomaten, sowie mit Mitgliedern des europäischen Hochadels und sogar DIE werden streng gemustert und durchleuchtet, beim Betreten von Etablissements und auch die bekommen schweißnasse Hände, beim betont bereitwilligen Vorzeigen durch und durch außerordentlich gültiger Dokumente.

Nein, schön ist das nicht. 

Gerade hatten sich die Fahrkartenkontrolleure, sowie überhaupt das ganze deutsche Kontroll- und Überwachungsschutzwesen zu einer gewissen international- europäisch- zivilisierten Nonchalance hin entwickelt.

Wurde “bitte” und “danke” gesagt. Sogar mal jemand übersehen, oder ein Auge zugedrückt. War das das Kaufhausdetektiv- und Wachschutzwesen entnazifiziert und hatte es sich sogar von den Ex- Stasi- Artefakten befreit. 

Waren besonders abscheuliche Blockwartexistenzen, als vereinzelte Horror- Sachbearbeiter in Ordnungsamt und Jobcentern versteckt, locker und umso überraschender  hineingemischt, in ansonsten freundliche, serviceorientierte Mitarbeiterteams, welche sogar regelmäßig auf den Lokalseiten regionaler Printerzeugnisse belobigt wurden, als besonders nette und besonders unbürokratisch handelnde Beamte der Herzen.

So erstehen sie nun wieder, die Dunkeldeutschen, schießen allüberall vor den Portälern wie Pilze aus dem Boden. Bauen sich vorwurfsvoll vor einem auf. Obwohl ich und alle ihnen doch die Unterlagen schon beflissen griffbereit entgegenstrecken, weil wir ja klar, alle an einem Strang ziehen müssen…

Kommen diese Biester uns immer eine Mikrosekunde zuvor, uns um Vorlage unserer selbstgefälschten Impfplagiate anzuheischen. Studieren sie die QR Code, als könnten sie diese mit bloßem Auge auslesen.

Es gibt bestimmt eine ganz einfache Begründung für die unangenehme Strenge…

Das Pendant auf der anderen Seite des Vorhangs. Die Kundschaft, die sich hinterher in der Öffentlichkeit beschwert, sie sei nicht streng genug kontrolliert worden. Sei vom Wirt der Spelunke ihres Vertrauens leichtfertig dem Tode ausgesetzt worden. 

Sei von ihrem Koksdealer fahrlässig in die Nähe potentiell falscher Genesener gelassen worden. Würde da jetzt nicht mehr hingehen und dort jetzt nicht mehr einkaufen. 

Weil eventuell alles verseucht!

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